Wie ist das Design entstanden?
Manche Designs beginnen mit einer Skizze. Andere entstehen aus einem bestimmten Gefühl, einer Erinnerung oder einem Moment, in dem sich das eigene Leben verändert.
Fallen Angel ist aus all diesen Dingen gleichzeitig entstanden.
Das Motiv verbindet meine Faszination für die Kunst der Renaissance mit einer persönlichen Phase, in der ich gezwungen war, meine bisherige Richtung zu hinterfragen. Es geht um Rebellion, den Verlust von Sicherheit und die Entscheidung, den eigenen Weg zu gehen.
Was genau ist ein gefallener Engel?
Ein gefallener Engel ist ein Engel, der sich gegen Gott gestellt und dadurch seinen Platz im Himmel verloren hat.
In der christlichen Überlieferung werden gefallene Engel häufig mit Rebellion, Stolz und Ungehorsam verbunden. Das bekannteste Beispiel ist Satan, der sich gegen die göttliche Ordnung auflehnte und daraufhin aus dem Himmel verbannt wurde.
Ein gefallener Engel war also ursprünglich ein himmlisches Wesen, das als gut und rein angesehen wurde. Durch die Entscheidung, sich gegen die bestehende Ordnung zu stellen, verlor es jedoch seinen früheren Status und wurde von Gott getrennt.
Traditionell wird dieser Fall als Strafe und Verlust verstanden: der Verlust des Himmels, der Nähe zu Gott und der eigenen göttlichen Stellung.
Für mich besitzt diese Geschichte jedoch noch eine andere Bedeutung.
Rebellion oder Freiheit?
Ich sehe im gefallenen Engel nicht nur eine tragische oder negative Figur. Für mich kann sein Fall auch für Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung stehen.
Der gefallene Engel folgt nicht länger einer vorgegebenen Ordnung. Er entscheidet sich, nicht mehr ausschließlich zu dienen, sondern nach seinem eigenen Willen zu handeln. Diese Entscheidung hat Konsequenzen. Er verliert Sicherheit, Zugehörigkeit und seinen bisherigen Platz. Gleichzeitig beginnt damit aber auch etwas Neues: ein Leben außerhalb der Regeln, die zuvor über ihn bestimmt haben.
Freiheit bedeutet dabei nicht, ohne Verantwortung zu leben. Sie bedeutet, selbst zu entscheiden, welche Richtung man einschlägt und welche Konsequenzen man bereit ist zu tragen.
Genau diese Spannung interessiert mich: der schmale Grat zwischen Verlust und Befreiung, zwischen Fall und Neuanfang.
Meine persönliche Verbindung zum Fallen Angel
Obwohl ich selbst nicht religiös bin, erkenne ich mich in bestimmten Mythen, Symbolen und Geschichten wieder.
Ich habe mich nie wohl damit gefühlt, wenn andere Menschen mir vorschreiben wollten, wie ich zu leben, zu denken oder zu handeln habe. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, seinen eigenen Weg zu wählen – solange er dabei die Freiheit anderer respektiert.
In diesem Sinne kann ich mich mit der Figur des gefallenen Engels identifizieren.
Nicht, weil sie für das Böse steht, sondern weil sie eine Entscheidung trifft. Sie verlässt eine vorgegebene Ordnung und nimmt dafür sogar in Kauf, ihren bisherigen Platz zu verlieren. Der gefallene Engel wird dadurch zu einer Figur, die zwischen zwei Welten steht: Er gehört nicht mehr zu dem, was vorher war, weiß aber noch nicht vollständig, was danach kommt.
Dieses Gefühl kennen viele Menschen. Manchmal muss etwas Vertrautes enden, bevor etwas Eigenes entstehen kann.
Die Inspiration aus der Renaissance
Die erste Idee für das Design kam mir, als ich gedanklich zu einer Dokumentation über die Kunst der Renaissance zurückkehrte, die ich einige Zeit zuvor gesehen hatte.
Die Renaissance gehört für mich zu den faszinierendsten Epochen der Kunstgeschichte. Besonders beeindruckt mich, wie in den damaligen Werken Schönheit, Religion, menschliche Emotionen und dramatische Konflikte miteinander verbunden wurden.
Engel erscheinen in dieser Kunst oft vollkommen, ruhig und fast unnahbar. Gleichzeitig erzählen viele Werke von Schmerz, Versuchung, Schuld, Widerstand und Erlösung. Die dargestellten Figuren wirken dadurch nicht nur göttlich, sondern auch überraschend menschlich.
Genau dieser Gegensatz wurde zur Grundlage von Fallen Angel: ein ursprünglich reines Wesen, das nicht mehr in die ihm zugedachte Rolle passt.
Ein persönlicher Wendepunkt
Zur gleichen Zeit befand ich mich selbst an einem Wendepunkt.
Das Unternehmen, für das ich gearbeitet hatte, musste aufgrund einer Insolvenz schließen. Von einem Moment auf den anderen war eine Struktur, an die ich mich gewöhnt hatte, nicht mehr vorhanden. Die Sicherheit war weg, und ich musste entscheiden, wie es weitergehen sollte.
Ich hätte versuchen können, möglichst schnell wieder in dieselben gewohnten Abläufe zurückzukehren. Stattdessen entschied ich mich dazu, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.
Diese Situation war mit Unsicherheit verbunden. Gleichzeitig entstand daraus ein Gefühl von Freiheit. Ich war nicht länger an den bisherigen Weg gebunden und konnte anfangen, meine eigenen Vorstellungen umzusetzen.
Rückblickend war genau das mein persönlicher „Fall“: der Verlust einer vertrauten Position, aber auch der Beginn einer neuen, selbstbestimmten Richtung.
Vom Gedanken zum Design
Aus der Verbindung zwischen der Renaissance, der Symbolik des gefallenen Engels und meiner eigenen Situation entstand schließlich das Design.
Fallen Angel ist für mich kein religiöses Bekenntnis und keine Verherrlichung des Bösen. Das Motiv steht für den Moment, in dem ein Mensch aufhört, nur den Erwartungen anderer zu folgen.
Es steht für den Mut, bestehende Regeln zu hinterfragen.
Es steht für den Verlust von Sicherheit.
Es steht aber auch für die Möglichkeit, nach diesem Verlust etwas Eigenes aufzubauen.
Der Engel fällt, doch dieser Fall ist nicht zwangsläufig sein Ende. Vielleicht ist er der erste Moment, in dem er wirklich selbst über seine Richtung entscheidet.
Die Bedeutung von Fallen Angel
Das Design richtet sich an Menschen, die sich nicht vollständig in vorgegebene Rollen einordnen lassen. An Menschen, die ihren eigenen Blick auf die Welt entwickeln und bereit sind, dafür auch unbequeme Entscheidungen zu treffen.
Nicht jeder Neuanfang fühlt sich zunächst wie ein Aufstieg an. Manchmal beginnt er mit einem Fall.
Man verliert einen Arbeitsplatz, eine vertraute Umgebung, eine Beziehung, einen Plan oder eine Vorstellung davon, wie das eigene Leben verlaufen sollte. In diesem Moment kann es so wirken, als würde alles auseinanderbrechen.
Doch genau dort kann auch etwas Neues entstehen.
Fallen Angel steht deshalb nicht nur für Rebellion. Das Design steht für Transformation. Für den Übergang zwischen dem, was man einmal war, und dem, was man aus eigener Entscheidung werden möchte.
Der Fall nimmt dem Engel seine Flügel nicht.
Er zwingt ihn lediglich dazu, selbst zu entscheiden, wohin er mit ihnen fliegt.
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